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Köln Marathon mit Saucony

Am vergangen Wochenende hatte ich die Gelegenheit, zusammen mit Saucony Germany, am Köln Marathon teilzunehmen. Es war ein wirklich ereignisreiches Wochenende voller positiver, aber auch negativer Emotionen. An diesem Wochenende wurde meine Willenskraft auf eine knallharte Zerreißprobe gestellt, wie ich sie schon lange nicht mehr erlebt habe.

Vielleicht war es auch etwas blauäugig von mir, mich gleich für die vollen 42,195 Kilometer zu melden. Es gab ja schließlich noch die Möglichkeit an der Staffel teilzunehmen, oder den Halbmarathon zu laufen. Doch wenn ich schon Mal in Köln bin, dann laufe ich auch den ganzen Marathon, dachte ich mir. Der Köln Marathon stand sowieso noch auf meiner to-run-Liste.

Ein flaues Gefühl im Bauch hatte ich allerdings schon, denn schließlich hatte ich erst eine 3-monatige Verletzungspause hinter mir. In diesen 3 Monaten bin ich keinen einzigen Meter gelaufen! Andererseits bin ich vor meiner Verletzung fast jeden Sonntag einen Marathon gelaufen und das vor dem Frühstück. „Das schaffst du schon irgendwie“, redete ich mir ein.

Es war ein verregneter und ungemütlicher Tag, als ich mich zusammen mit Stefan auf den Weg nach Köln machte. In Köln herrschte das reinste Verkehrschaos! Unser Hotel lag in der Nähe des Starts und die Straßen waren für den morgigen Marathon bereits alle gesperrt. Eine gute Stunde lang versuchten wir vergebens zu unserem Hotel zu gelangen, bis wir die Hoffnung aufgaben und uns für ein nahegelegenes Parkhaus entschieden.

„Hi ich bin Christian. Ihr seid bestimmt auch wegen des Bloggertreffens hier“ quatschte ich am vereinbarten Treffpunkt zwei Herren in Saucony Jacke an. Dabei vergaß ich allerdings, dass Saucony der Hauptsponsor des Köln Marathons war und gefühlt jeder Zweite in der Stadt mit einer solchen Jacke durch die Gegend lief. Zum Glück kam in diesem Moment Claudia, die PR-Managerin von Saucony durch die Fahrstuhltür. Sie führte uns in den Konferenzraum, wo bereits zahlreiche andere Blogger warteten.

Als Erstes stand ein Motivationsvortrag von Andreas Niedrig auf der Agenda. Der ehemalige Junkie und heutige Profitriathlet erzählte aus seinem Leben und wie er es durch Hartnäckigkeit und Ehrgeiz schaffte, dem Drogensumpf zu entkommen und dort hinzugelangen wo er heute steht.

Nach dem Vortrag fand das Treffen mit den Saucony-Bloggern statt. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde bekamen wir einen kleinen Einblick in die kommende Saucony Laufschuh-Kollektion. Anschließend konnten wir unserer Kreativität freien Lauf lassen und unseren eigenen Gymbag designen.Beim gemeinsamen Abendessen wurde überwiegend Pizza bestellt. Mit meiner Portion Gnocchis, die zudem etwas mickrig ausfiel, fühlte ich mich schon fast wie ein Außenseiter. Da nach dem Abendessen noch Platz in meinem Bauch war, besorgte ich mir später am Kiosk um die Ecke noch ein paar Snacks. Schließlich mussten die Energiespeicher für morgen gut gefüllt werden!

Die Nacht vor dem Marathon war alles andere als erholsam. Die Lage des Hotels war nicht gerade das, was man als premium bezeichnen würde. Wir kamen uns vor wie auf der Fanmeile des 1. FC Kölns. Denn durch die eher mäßig isolierten Fenster drang bis in die frühen Morgenstunden Fangesang in unser Zimmer.

Am Sonntagmorgen machten Björn Jan und ich uns nach einem leichten Hotelfrühstück auf den Weg zum Start.

Björn hatte dummerweise bei seiner Anmeldung vergessen eine Zielzeit anzugeben und musste deshalb aus dem letzten Startblock starten. Jan und ich waren im roten Block ganz vorne untergebracht. Kurz vor dem Startschuss ertönte lautstark „Hells Bells“ aus den Lautsprechern, um die Stimmung kurz bevor es losging, nochmal so richtig aufzuheizen. Dann wurde gemeinsam heruntergezählt.  

PENG! Los geht´s! Ich lief für mein Gefühl in einem recht angenehmen Tempo los. Es war sehr schwer für mich einzuschätzen, wie sich mein jetziges Tempo nach 30 weiteren Kilometern anfühlen würde. Mir fehlte einfach die Wettkampferfahrung in den letzten Jahren. Vorher war ich fast jedes Wochenende auf einem Wettkampf und konnte genau sagen, wie schnell ich bei der jeweiligen Distanz laufen konnte. Es hatte also etwas von einem Glücksspiel. Entweder geht es gut und ich komme in einer für mich starken Zeit ins Ziel, oder es wird am Ende so richtig hässlich!

Die ersten 10 Kilometer waren wirklich sehr kurzweilig. Ich fühlte mich so gut, dass ich mich bei der Pace von 4:30 pro Kilometer noch locker unterhalten konnte. Die Euphorie stieg mit jedem Kilometer, den ich schneller als geplant lief! Die Halbmarathonmarke passierte ich in einer Zeit von 01:35 und ich fühlte mich wirklich gut dabei! In meinem Kopf begann ich bereits auszumalen, wie ich in einer Zeit von 3 Stunden und 10 Minuten über die Ziellinie rasen würde.

Zwischendurch bekam ich immer Nachrichten von Stefan, wo er sich am Streckenrand positioniert hatte um Fotos von mir zu machen. Als ich nach 24,5 Kilometern an ihm vorbeilief, sah ich bereits nicht mehr ganz so locker aus! Langsam fingen die Oberschenkel an und machten sich bemerkbar. Ob es am zu schnellen Anfangstempo lag, oder einfach an dem harten Untergrund konnte ich nicht genau sagen.

Meine anfängliche Euphorie begann so langsam zu bröckeln. Ich ertappte mich dabei, wie meine Blicke in immer kürzeren Abständen auf das Display meiner Garmin wanderten. Halt durch Culli brummelte ich vor mich hin! Manchmal hilft es, sich auch mal selbst zu motivieren, auch wenn es für Außenstehende komisch aussehen mag… Ich nahm mir vor, das Tempo bis km 30 so gut wie möglich aufrecht zu erhalten und hoffte insgeheim auf ein kleines Wunder. Die letzten 12 Kilometer kannst du dich dann auch noch durchbeißen, dachte ich mir! Was sind schon 12 Kilometer?

Eine ganze Menge, wie ich später schmerzhaft feststellen musste! Jeder einzelne Kilometer kam mir auf einmal vor wie eine halbe Ewigkeit! Negative Gedanken häuften sich in meinem Kopf an und ich bekam es einfach nicht auf die Kette, diese abzustellen! Bei Kilometer 35 war es so schlimm, dass ich sogar mit dem Gedanken spielte aufzugeben. Es war ein regelrechtes Gefecht in meinem Kopf, ausgetragen zwischen meinem inneren Schweinehund und meiner Willenskraft! An den Verpflegungsstationen stoppte ich nun immer kurz und trank einen Becher Cola und nahm ein Gel zu mir.

Ich schaute auf die Uhr und begann zu rechnen. Ich kann es immer noch unter 3:30 schaffen, wenn ich langsam weiter laufe, stellte ich fest. Also biss ich die Zähne zusammen und machte weiter! Ich versuchte mich auf die Zuschauer zu konzentrieren und mich irgendwie abzulenken. Ich wollte es unbedingt bis an diesen verflixten Dom schaffen, koste es was es wolle! Ich wollte mein Team und Saucony auf keinen Fall enttäuschen. Ich wollte nicht nach Hause fahren mit dem Gefühl gescheitert zu sein! Wenn mein Körper irgendwie in der Lage ist das Ding zu beenden, dann werde ich das tun!

Auf den letzten Kilometern wurden die Zuschauer immer lauter. Das half mir wirklich enorm um weiter zu machen! Vermutlich sahen mir die Menschen hinter der Absperrung an, dass ich am Ende war und feuerten mich umso mehr an!

Nach wirklich schlimmen 12 Kilometern lief ich endlich auf die Zielgerade. Ich stoppte die Zeit und war überglücklich, dass ich es noch in 03:23:03 geschafft habe! Überglücklich es durchgezogen zu haben, trotz alldem Schmerz!

Nach dem Lauf machten wir uns zügig auf den Weg zurück ins Hotel, wo wir glücklicherweise den Saunabereich zum Duschen nutzen konnten. Mit dem Auto aus Köln zu gelangen war eine absolute Katastrophe. Überall waren Straßen wegen dem Marathon gesperrt und die Umleitungsschilder waren wirklich leicht zu übersehen. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie gut die Pizza schmeckte, die ich mir an diesem Abend zu Hause gönnte!

Der Köln Marathon war für mich eine krasse Erfahrung! Erst im Nachhinein wurde mir richtig klar, was es heißt, einfach mal so einen Marathon zu laufen, ohne wirkliche Vorbereitung. Dieser Lauf hat irgendetwas in mir entfacht. Dieses Gefühl, als ich über die Ziellinie lief, hat irgendetwas in mir ausgelöst. Schone lange habe ich mich nicht mehr so zufrieden gefühlt! Der Köln Marathon hat meinen Ehrgeiz wieder geweckt und ich habe mich entschlossen, von nun an wieder strukturierter und besser zu trainieren. Ich will mehr von diesen Erfolgserlebnissen!

Dieser Beitrag entstand in freundlicher Zusammenarbeit mit Saucony.

Einen Überblick über die Anderen Saucony Blogger findest du hier:

Jan von Runningculture

Björn von Idealegerade

Patrick von itsrunningtime

Felicitas von Felinipralini

Carolin von Carostriaworld (Instagram)

Eva von Evaslaufliebe (Instagram)

Stephanie von Fitness.Stephi (Instagram)

Moni von Moni.run.lift.love (Instagram)

Sarah von Sarah.runs.her.world (Instagram)

 

 

 

 

Tegernseelauf mit Adidas

Wie man binnen Sekunden meine volle und ungeteilte Aufmerksamkeit bekommt? – ganz einach: man verfasse eine E-Mail mit dem Betreff „Sightseeing am Tegernseelauf“ mit der Fragestellung, ob ich Bock hätte, mit Adidas daran teilzunehmen!

3 Monate später saß ich im ICE, der mich mit Höchstgeschwindigkeit in Richtung München beförderte. Ich war bestens auf diese Reise vorbereitet, alles war bis ins kleinste Detail geplant. Sogar einen Sitzplatz hatte ich mir die Tage zuvor für die Fahrt reserviert. Als ich gerade damit begann einen Film auf meinem Smartphone zu streamen, bemerkte ich, wie sich ein junges Pärchen meinem Platz näherte. „Entschuldigung, ich glaube Sie sitzen auf unserem Platz, hier ist unsere Reservierung“. Selbstbewusst griff ich in meine Hosentasche und zog den Ausdruck meiner Sitzplatzreservierung heraus. „Da muss dem System wohl ein Fehler unterlaufen sein“ gab ich klugscheißerisch von mir und zeigte dem Pärchen meinen Zettel. Dummerweise fiel mir just in diesem Augenblick auf, dass meine Reservierung auf gestern datiert war! Vom einen auf den anderen Moment war mein Kopf rot wie eine Tomate. Peinlich berührt entschuldigte ich mich vielmals bei den Beiden, die aber so nett waren und sich auf den Plätzen hinter mir niederließen. Das fängt ja schon gut an, dachte ich mir!

In München angekommen, machte ich mich nach einem kurzen Zwischenstopp in einem Fachgeschäft für Backwaren, auf den Weg zu meinem Hotel. Leider lag dieses nicht in unmittelbarer Nähe und das Wetter war zudem nicht gerade wirklich rosig. Meine Wahl fiel also auf die S-Bahn. Wie zu erwarten, war ich mit dem Streckennetz der Münchner Verkehrsbetriebe erstmal total überfordert! Es grenzte schon fast an ein Wunder, dass ich auf Anhieb die richtige Linie erwischte.

Am liebsten hätte ich mich erstmal für eine Stunde in das Bett meines Hotelzimmers fallen gelassen! Solche langen Zugfahrten sind für mich immer anstrengender als jeder Halbmarathon! Entspannen stand allerdings leider nicht auf meinem Plan, denn bereits in einer halben Stunde musste ich im FT-Club sein, wo Mobility Session und Mind Workshop auf dem Programm standen. Im Laufschritt steuerte ich also zum zweiten Mal für diesen Tag die U-Bahn Station an. In der ganzen Hektik muss ich wohl irgendwie die falsche Fahrtrichtung genommen haben, was ich aber dummerweise erst am anderen Ende der Stadt feststellte. An dieser Stelle muss ich wohl nicht extra darauf hinweisen, dass ich es nicht pünktlich zur Mobility Session geschafft habe…

Wenigstens zum Mind Workshop war ich rechtzeitig erschienen! Dieser wurde von Caja Schäpf, einer ehemaligen deutschen Freestyle-Skierin, gehalten. Von ihr erfuhren wir einige wirklich nützliche Tipps über mentale Stärke.

Mental gestärkt, ging es anschließend mit der U-Bahn zur Pasta Party. Auf dem Weg dorthin, lernte ich ein paar echt nette Adidas Runners aus Frankfurt kennen. Ich war mir vorher gar nicht im Klaren darüber, was für eine riesige Gemeinschaft die Adidas Runners sind!

Im Sporthaus Schuster, wo die Pasta Party der Adidas Runners stattfand, lernte ich zum ersten Mal Sophia von Adidas und die anderen netten Mädels aus unserem Team kennen. Ich gebe ja zu, dass ich etwas Bammel hatte, da ich zu diesem Zeitpunkt der einzige Mann in unserem Team war. Daniel, der ebenfalls im Team war, würde aufgrund einer Verspätung seines Fluges erst später landen. Nach einer ordentlichen Portion Pasta mit Hackfleischsoße, machte ich mich zu Fuß auf den 2 Kilometer langen Weg zu unserem Hotel. Realistisch gesehen würde ich mit der S-Bahn länger benötigen, denn ich blickte mit dem Streckennetz noch nicht so ganz durch…

Am nächsten Morgen trafen wir uns mit versammelter Mannschaft im Foyer unseres Hotels.

Frühstück gab es leider zu dieser frühen Stunde noch nicht, weshalb wir uns am Bahnhof beim Bäcker etwas besorgten. Nach einem Coffee to go und einem Bircher Müsli sah die Welt doch gleich ganz anders aus!

Das Wetter am Tegernsee war leider nicht so premium. Dicke Nebelschwaden erschwerten den Blick auf die wunderschöne Aussicht und kalter Nieselregen plätscherte auf uns herab. Nichts desto trotz, war mein Stimmung sehr positiv und ich hatte richtig Bock auf diesen Lauf!

Nach einem Gruppenfoto mit den Adidas-Runners, marschierte ich zusammen mit Daniel zum Start. In den 30 Minuten im Startbereich wurde uns in Shirt und kurzen Hosen ganz schön kühl. Ich bereitete mich schon Mal seelisch auf die Erkältung vor, mit der ich am nächsten Tag aufwachen würde!

Kawummm! Langsam setzte sich die Meute in Bewegung. Die ersten Kilometer liefen richtig gut! Ich fühlte mich lange nicht mehr so agil wie an diesem Morgen! Wie ein junges Reh fegte ich mit einer Pace von 4:10 pro Kilometer über den Asphalt. Das war deutlich schneller als geplant, aber was soll ich sagen, es fühlte sich verdammt gut an!

Die atemberaubende Atmosphäre war eine tolle Ablenkung um den Druck besser auszuhalten. Die Kilometermarken schienen förmlich nur so an mir vorbeizufliegen.

Leider machte sich dieses Gefühl der Leichtigkeit so ab Kilometer 13 schlagartig rar. Vom einen auf den anderen Moment fühlte ich mich so richtig schwer und Kraftlos! War das der berüchtigte Mann mit dem Hammer, mit dem ich bei einem Halbmarathon eigentlich nicht rechnete? Für meine Verhältnisse war ich die ersten 10 Kilometer in 42 Minuten etwas zu flott gelaufen… Für diesen Fehler musste ich nun bitterböse bezahlen!

Der Druck wurde von Minute zu Minute größer und das Tempo immer langsamer! Ich versuchte nicht daran zu denken dass noch 8 Kilometer vor mir lagen, denn das würde meine Willenskraft noch weiter senken! Stattdessen konzentrierte ich mich immer nur auf den Einen, nächsten Kilometer. „Einen Kilometer schaffe ich immer noch, egal wie kaputt ich bin“ redete ich mir ein! Die zahlreichen Anstiege, die auf der zweiten Hälfte der Strecke lagen, machten die Sache natürlich nicht gerade einfacher…

Copyright by Sportograf

Zwischenzeitlich waren meine Kilometerzeiten von anfänglich 04:10 auf 04:40 gesunken, was mich ziemlich demotivierte. Daran änderten auch die ganzen Läufer, die nun vermehrt an mir vorbeizogen, nichts.

Es war eine einzige Quälerei und für eine ganze Weile habe ich diesen Lauf sehr gehasst! Aber in dem Moment, als ich die Ziellinie überquerte, wandelten sich alle Schmerzen und negativen Gedanken schlagartig in pures Glück um! Auch wenn meine Zielzeit von 01:33:07 weit von meiner Bestzeit entfernt war, war ich trotzdem sehr zufrieden mit meiner Leistung! Schließlich lag der letzte Wettkampf schon eine ganze Weile zurück und ich war absolut nicht im Training.

Zusammen mit den anderen Raketen ging es anschließend im total überfüllten Zug zurück nach München. Eigentlich wäre nun der richtige Zeitpunkt gewesen, um sich vor dem Oktoberfest noch eine Runde aufs Ohr zu hauen, allerdings hatte ich große Bedenken, dass ich dann so schnell nicht mehr aufwachen würde. Deshalb setzte ich mich noch ein wenig mit dem Sonntagsprogramm des TV Gerätes auseinander, bevor ich mich in meine Lederhosen zwängte…

Photo by Ines Thomsen

Auf dem Oktoberfest war ich erst Mal total überwältigt von den enormen Dimensionen dieser Veranstaltung! In der Vergangenheit war nur auf ein paar kleinen, regionalen Oktoberfesten gewesen, welche aber kein Vergleich zum Original waren.

Das Marstall Zelt, in dem wir untergebracht waren, konnte man eigentlich nicht mehr als Zelt bezeichnen, das war eigentlich schon ein richtiges Haus! An unserem Tisch angekommen orderten wir direkt eine Runde Maß Bier! Das erste Maß schlug bei mir ein wie eine Bombe! Vielleicht hätte ich nach dem Halbmarathon doch etwas mehr als nur eine Brezel essen sollen… Schwer zu sagen, wie viele Maß noch folgten. An die Runde Klopfer, die ich spendierte, kann ich mich allerdings noch sehr gut erinnern, die kostete mich nämlich satte 60,- Hühner!

Als dann um 23:00 der Hammer fiel, machten wir uns gut gelaunt auf den Nachhauseweg. Um Haaresbreite wurde ich noch in eine Schlägerei verwickelt, da ich fälschlicherweise beschuldigt wurde einem Wiesn-Besucher seinen Gockel-Hut gestohlen zu haben. Zum Glück konnten die Mädels unsere Auseinandersetzung in letzter Sekunde beruhigen!

Alles in Allem war es ein super Wochenende das ich mit Adidas zusammen erleben durfte! An dieser Stelle, möchte ich auch nochmal ein fettes Dankeschön an Adidas für die Einladung aussprechen! Ich freue mich schon auf die nächsten Kooperationen mit dieser tollen Marke!

Nachfolgend findet ihr noch die Blogs unserer Teammitglieder:

Tough Mudder Norddeutschland 2017

Ich schreie laut auf, als ich wieder aus dem eiskalten Wasser auftauche und nach Luft ringe! „Arctic Enema“ hat es faustdick hinter den Ohren! Gepusht von den motivierenden Schreien des Teams, stürzt man sich ein schmales Rohr hinunter und taucht in ein mit Eiswürfeln gefülltes Wasserbecken. Durch den Speed und den rutschigen Boden ist es quasi unmöglich, den Kopf dabei über Wasser zu halten. Falls man es doch schaffen sollte, wartet ein paar Schritte weiter ein Hindernis unter dem man durchtauchen muss.

An einem ganz gewöhnlichen Tag im Mai, erreichte mich plötzlich eine E-Mail von LORÉAL Men Expert. Die E-Mail enthielt eine Anfrage, die mein Sportlerherz direkt höherschlagen ließ! Ich hatte die Möglichkeit, im Team Men Expert, zusammen mit anderen Instagram Influencern am Tough Mudder Rennen in Norddeutschland teilzunehmen! Ich war sofort Feuer und Flamme! Ein Hindernislauf stand sowieso noch auf meiner To-Do-Liste und dann auch noch für so eine coole Marke wie LORÉAL Men Expert! Ohne auch nur eine Sekunde lang zu zögern willigte ich begeistert ein!

Zur Vorbereitung auf den Tough Mudder stellte LORÉAL Men Expert zusammen mit Original Bootcamp in insgesamt 15 Deutschen Städten Bootcamps auf die Beine, um sich optimal auf den Tough Mudder vorzubereiten zu können. Über die Seite von LORÉAL Men Expert konnte man sich für einen Platz in einem Bootcamp seiner Wahl bewerben und mit etwas Glück 4 Wochen lang gratis dort trainieren! Ich hatte aufgrund einer sehr langwierigen Verletzung das Pech, an keinem der Bootcamps teilnehmen zu können. Meine Vorbereitung war also mehr als nur spartanisch. 3 Monate lang hatte ich vor dem Tough Mudder so gut wie absolut keinen Sport gemacht. Die Teilnahme war bis auf wenige Tage vor dem Rennen noch ein großes Fragezeichen!

Am Freitag, dem 14. Juli, saß ich dann im völlig überfüllten Zug in Richtung Norden. Nach 6 stündiger Fahrt ohne Klima und Wlan, kam ich dann endlich in Hamburg an! Dort machte ich mich direkt auf den Weg zum 2 km entfernten Hotel. Mit der einen Hand den Trolli im Schlepptau und der anderen Hand am Hosenbund, weil ich meinen Gürtel vergessen hatte.

Im „The George Hotel“, in welchem L’Oréal Men Expert freundlicherweise Zimmer für uns reserviert hatte, konnte ich direkt einchecken. Die modernen und komfortablen Zimmer im britischen Stil gefielen mir super gut. Sitzkissen mit britischer Flagge, prachtvolle Tapeten und eine gemütliche, indirekte Beleuchtung, machten die Atmosphäre wirklich sehr angenehm. Nach so einer langen Zugfahrt fühlte ich mich richtig eklig und matschig und sprang direkt unter die große Dusche! Frisch geduscht und gestylt, machte ich mich anschließend auf den Weg zur Hotelbar. Dort saßen bereits Sabrina und Gaétan von L’Oréal, zu denen ich mich mit einer schönen Tasse Kaffee gesellte. Nach und nach trafen dann auch die anderen Männer vom Team Men Expert ein.

Wir alle wissen, dass ein hungriges Team keine Leistung bringen kann, deshalb spendierte uns L’Oréal Men Expert am Abend noch ein Dinner im Barefood Deli! Okay der Cheesburger mit Fries, den ich mir bestellte, war nicht unbedingt das, was man eine optimale Wettkampfmahlzeit nennen konnte. Da nach dem Cheeseburger sowieso bereits alles verloren war, gönnte ich mir zum Abschluss noch einen Cheesecake. Und da wir nun schonmal dabei waren, gönnte sich das Team Men Expert nach diesem köstlichen Dinner noch ein paar gekühlte Sportlergetänke an der Hotelbar.

Nach einer angenehmen und ruhigen Nacht, im gemütlichen Bett des „The George Hotels“ trafen wir uns am Samstagmorgen gemeinsam zum Frühstück. Ich hätte das Frühstücksbuffet gerne ausgiebiger genutzt, doch mit vollem Bauch läuft es sich leider nicht so gut! Deshalb beließ ich es bei einem Brötchen mit Pute und Käse und einem Frühstückshörnchen.

Im extra für das Team Men Expert gecharterten Bus, ging es anschließend los, zum 100 Kilometer entfernten Hermannsburg, wo der Tough Mudder stattfinden würde. Während der Busfahrt kam ich mir irgendwie vor wie bei einer Klassenfahrt, in einem Bus voller pubertierender Jugendlicher. Die Stimmung war prima und Gerüchten zur Folge, wurde auf der Hinfahrt schon die ein oder andere Hopfenkaltschale verzehrt.

Als wir den Austragungsort erreichten, war dort schon so einiges los. Das was ich dort sah, hatte absolut nichts mit den Wettkämpfen gemeinsam, die ich aus der Vergangenheit kannte. Ich fühlte mich mehr wie auf einem Open-Air-Festival, als auf einer Sportveranstaltung. Das Einzige was noch fehlte, waren Männer mit Fässern auf dem Rücken, die die Festivalbesucher mit Bier versorgten. Überall waren gut gelaunte Menschen in den aberwitzigsten Kostümen zu sehen. Die Krönung war aber eine Gruppe, die sich als Nikoläuse verkleidet hatte und einen Weihnachtsbaum auf einem Podest trugen und damit sogar an den Start gingen! Ich war total begeistert von der vorherrschenden total verrückten aber freundlichen Atmosphäre, sodass ich auf einmal richtig Bock auf dieses Event hatte!

Im Startbereich wurde die Stimmung durch ein gemeinsames Aufwärmprogramm nochmal so richtig aufgeheizt! Und jetzt alle zusammen: „Wer nicht hüpft der ist kein Mudder hey hey… Wer nicht hüpft der ist kein Mudder hey hey…“

Kurz bevor es dann wirklich los ging musste sich das gesamte Teilnehmerfeld noch einmal hinknien und folgendes Gelöbnis abgeben:

Als Tough Mudder gelobe ich, dass…

…ich weiß, dass Tough Mudder kein Rennen ist, sondern eine Herausforderung.

…ich Teamwork und Teamgeist Vorrang vor meiner Streckenzeit gebe.

…ich nicht jammern werde – Jammern ist was für Kinder!

…ich meinen Mudder-Kameraden helfen werde, die Strecke zu bewältigen.

…ich alle Ängste überwinden werde.

Dann ging es endlich los! Bewaffnet mit einer Rauchfahne, stürmten wir den Parkour, als würde es kein Morgen geben. Wuhuuu, aus dem Weg, hier kommt Team Men Expert!

Die Strecke führte auf einem schmalen Pfad, durch einen dichten Wald. Überall lagen Äste und aus dem Boden ragten Wurzeln, über die man springen musste. Die ersten beiden Hindernisse waren ein Kinderspiel! Ein paar Strohballen über die man klettern musste und eine Grube, die leider schon ausgetrocknet war, waren keine wirkliche Herausforderung für uns. Doch dann kam „KISS OF MUD 2.0“! Es bestand aus einem Geflecht aus Stacheldraht unter dem man hindurchkriechen musste, genau wie beim Militär. Da dies jedoch der Tough Mudder war, war der Boden eine einzige Matschgrube und als ob das nicht schon genug wäre, befand sich in der Mitte ein Wasser-, oder besser gesagt ein Schlammgraben, über den man aufgrund des Stacheldrahts, nicht einfach drüber klettern konnte! Es hat mich so einiges an Überwindung gekostet, mich zum ersten Mal in den nicht gerade angenehm duftenden Schlamm zu werfen!

Meine anfänglichen Bedenken, dass ich den Lauf nicht schaffen würde, erwiesen sich recht schnell als unbegründet. Meine Schmerzen waren wie weggefegt. Vermutlich war der Schlamm mit seinen heilenden Eigenschaften dafür verantwortlich 😉 ,oder aber die Tatsache, dass ich die Woche vor dem Tough Mudder mal komplett auf mein Krafttraining verzichtete. Egal was es auch war, Culli is Back und ich war einfach nur glücklich, sodass ich das ganze Rennen über ein breites Grinsen auf meinen Lippen hatte. Der Tag war einfach nur perfekt!

Ehrlich gesagt, kann ich mich gar nicht mehr an alle Hindernisse erinnern, von der Reihenfolge ganz zu schweigen. Einen Streckenplan konnte ich leider auch nirgendwo finden, deswegen kann ich leider nur auf die Hindernisse eingehen, die in meinem Gedächtnis hängen gelblieben sind. Alles andere war sowieso Kindergarten…

„Arctic Enema“ kennt ihr ja bereits vom Anfang des Beitrags, das war für mich definitiv die größte Herausforderung! Ich bin nämlich, wenn ich ganz ehrlich bin ein kleiner Warmduscher. Kaltes Wasser ist gar nicht so mein Ding, von Eiswasser ganz zu schweigen. Doch wenn alle Anderen sich furchtlos in die eisigen Fluten stürzen, möchte man ja nicht wie eine Lusche dastehen, also ab ins kalte Nass!

Zwischendurch gab es immer mal ein paar Wände über die man klettern musste, oder Matschgruben die man durchqueren musste. Was mir an diesem Event wirklich toll gefiel, war der enorme Teamgeist. Und zwar nicht nur innerhalb unseres Teams, sondern insgesamt. Bei diesem Lauf ging es nicht darum, eine möglichst schnelle Zeit auf die Bahn zu legen, sondern um Zusammenhalt, Hilfsbereitschaft und maximalen Spaß. Jeder half hier jedem und nach einem Hindernis wartete man noch eine Weile um anderen Sportlern darüber zu helfen, statt sofort weiter zu laufen. Für mich war das eine ganz neue Erfahrung, denn bei meinen Marathons hatte ich immer nur die Uhr im Blick. Jede Sekunde zählte und man war vom Start bis ins Ziel am absoluten Limit. Das war hier nicht der Fall und das war auch schön so!

Ein weiteres fieses Hindernis war das „Block Ness Monster“. Es bestand aus zwei großen Rollen, die sich zur Hälfte unter Wasser befanden. Um darüber zu gelangen war Teamwork erforderlich! Während sich eine Gruppe an der Kante der Rolle festhielt, musste die Gruppe dahinter, die sich im Wasser befand, an der Rolle drehen, damit die vordere Gruppe kopfüber ins nächste Wasserbecken gekippt wurde. Für mich war dieses Hindernis sehr unangenehm, denn aufgrund meiner geringen Körpergröße, konnte ich in dem Wasserbecken nicht stehen, ohne mit dem Kopf unterzutauchen. Ich musste mich also durch Schwimmbewegungen über Wasser halten und konnte deshalb unmöglich an der Rolle drehen!

Ich kann in diesem Artikel leider nicht auf alle Hindernisse eingehen, sonst würde vermutlich keine Sau den Text bis zum bitteren Ende lesen! Deshalb mache ich jetzt mal einen großen Sprung bis zum „Everest 2.0“, dem vorletzten Hindernis auf dem Parkour. Ihr könnt euch dieses Hindernis wie eine Halfpipe vorstellen, wie man sie auch vom Skateboarden kennt. Dadurch, dass der Belag mit Matsch verschmiert ist, ist es quasi unmöglich ohne fremde Hilfe dort hinauf zu kommen! Als ich an der Reihe war, sprintete ich mit Volldampf auf das Hindernis zu! Etwa in der Mitte verlor ich den Halt und verpasste die helfenden Hände, die oben warteten knapp und landete auf der Nase. Wie ein nasser Sack rutschte ich wieder herunter. Beim zweiten Versuch klappe es dann zum Glück und ich wurde an Händen und Füßen über die Kante gezogen!

Wir waren nun bereits seit mehr als 4 Stunden auf dem Kurs und ehrlich gesagt war ich froh, als wir das letzte Hindernis erreichten. Die Kleidung war nass und total voller Schlamm und so langsam wurde mir auch kalt. Doch bevor es über die Ziellinie ging, wurde es nochmal so richtig heftig! „Electroshock Therapy“ hieß der letzte Kollege. Er bestand aus einem Dach, von dem zahlreiche Fäden hingen, die unter Strom standen. Menschen mit Herzschrittmachern, wurde davon abgeraten dieses Hindernis zu durchqueren! Bevor ich loslief, hätte ich mir nie vorstellen können, dass das Ding sooo krass unter Strom steht. Es war nicht einfach nur ein zwicken, es war mehr so ein Gefühl von in die Steckdose greifen! Eine echt fiese Sache sage ich euch!

Doch dann hatten wir es endlich geschafft! Im Ziel erhielten wir unser orangenfarbenes Stirnband und unser lang erwartetes Finisher-Bier, welches nach vier Stunden und 16 Minuten wirklich vorzüglich schmeckte! Leider blieb keine Zeit mehr, die super Atmosphäre auf dem Gelände zu genießen, denn unser Bus wartete schon auf uns.

Genau wie alles andere auf dem Tough Mudder, waren auch die Duschen alles andere als wohltuend. Ich hatte die Vermutung, dass sie das Wasser dafür, aus dem „Arctic Enemy 2.0“ abpumpten. Wirklich sauber war danach keiner von uns, denn der Schlamm war echt hartnäckig!

Nach einer stimmungsvollen Busfahrt und einigen weiteren Finisher-Bieren, kamen wir wieder an unserem Hotel an, wo es dann Abschied nehmen hieß. Es hat mir wirklich Spaß gemacht und ich bin schon ein wenig stolz darauf, in einem so coolen Team starten zu dürfen! Ich habe viele nette Menschen kennen gelernt und ich bin mir sicher, dass ich den Einen oder Anderen irgendwann mal wieder treffen werde. Team Men Expert, ihr seid die Geilsten!

Ein fettes Dankeschön möchte ich an dieser Stelle selbstverständlich auch noch auch noch an unseren Sponsor L’Oréal aussprechen, durch den das Alles erst möglich wurde! Alles war bis ins kleinste Detail geplant und verlief wirklich reibungslos. Auch der PR Agentur Reichert + Communications, die mich im Auftrag von L’Oréal für dieses Event ausgewählt hatte, gebührt ein großes Dankeschön! Ich hoffe wir werden in Zukunft noch das ein oder andere Projekt zusammen starten!

GELITA Trail Marathon Heidelberg

Es läuft gerade sehr gut. Ich schwebe förmlich über die Trails. So muss sich ein Runners High anfühlen. Ich lasse reihenweise andere Läufer hinter mir, so kann es weitergehen!

Im nächsten Moment wache ich auf. Misst, nur ein Traum. Doch was für einer, denn heute findet tatsächlich der Trail Marathon in Heidelberg statt. Schon seit Längerem spiele ich mit dem Gedanken dort zu starten, doch letztendlich habe ich mich doch dagegen entschieden. Und nun dieser Traum, der mich morgens um halb Sieben aus dem Schlaf reißt. Normalerweise glaube ich nicht an Zeichen und solchen Kram, doch wenn es so etwas wie ein Zeichen gibt, dann war dieser Traum ohne jeden Zweifel eins!

Was habe ich auch schon zu versäumen? Dann laufe ich meinen langen Sonntags-Lauf eben heute Mal in Heidelberg. Ein bisschen Abwechslung könnte ich sowieso gebrauchen.

Ich springe aus dem Bett, denn die Zeit ist knapp. Im Rekordtempo packe ich meine Wettkampf-Tasche und bin mir fast schon sicher, in der Hektik irgendwas Wichtiges zu vergessen. Schnell wie noch nie bereite ich mein Porridge zu, und ebenso schnell verschlinge ich den wirklich heißen Brei.

Gut 2 Stunden später betrete ich die Bergbahn in Heidelberg, die mich und andere Verrückte hoch zum Schloss befördert. Dort befindet sich der Start, des mit 1.500 Höhenmetern steilen Trail Marathons.

Für günstige 80,-€ erwerbe ich bei der Nachmeldung im Innenhof des Schlosses meine Startunterlagen. An einem Verkaufsstand gönne ich mir noch einen Oatbar, den ich noch vor dem Start verdrücke und zwei Powerbars die in meinem Rucksack Platz finden.

Nun geht´s auf zum Schlossgarten, wo sich Umkleiden, Taschen-Aufbewahrung, sowie der Start befinden. Ebenso sollte es hier eine Möglichkeit geben seinen Trinkrucksack zu befüllen. Leider kann ich diese nicht ausfindig machen und um zurück zum Innenhof zu laufen, ist die Zeit mittlerweile zu knapp.

Mittlerweile laufen die letzten Sekunden bis zum Start. Begleitet von Hells Bells von ACDC, gibt der Moderator das Startsignal.

Los geht´s. Wie ein Rudel hungriger Wölfe stürzt sich die Läufer-schar auf die bevorstehenden, harten 42,195 Kilometer.Heidelberg Trail Marathon Start

Zunächst geht es steil bergab in Richtung Altstadt. Ratsch! Fast haut es mich auf dem nassen Kopfsteinpflaster auf die Nase. – Gerade noch mal Glück gehabt!

Über die alte Brücke, die ich schon vom Heidelberg Halbmarathon kenne, überqueren wir den Neckar.alte Brücke Heidelberg

Nach 3 Kilometern wartet bereits voller Schadenfreude, der erste, steile Anstieg. Relativ schnell wechsle ich vom Laufschritt zum flotten Geh-tempo. Eine weise Entscheidung, wie sich später noch herausstellen wird.

Der gestrige 26 Kilometer Trainingslauf, der mit seinen 500 Höhenmetern nicht gerade flach war, steckt mir noch ordentlich in den Muskeln. Hätte ich vorher gewusst, dass ich heute einen der härtesten Marathons der Welt laufen würde, hätte ich meine Beine still gehalten.

Was soll´s damit muss ich nun leben.

Das nächste Schmankerl wartet schon nach 5,5 Kilometern auf mich. 178 Stufen geht es durch die Thingstädte steil bergauf. Die Berge in denen ich vorher eigentlich meine Stärke sah, sind heute ein echtes Problem für mich.

Thingstätte Heidelberg

Nach harten 7 Kilometern, geht es zum Glück erst mal bergab.  Der Kurs führt über schmale Trampelpfade die von Wurzeln und Stolpersteinen nur so wimmeln. Als wäre das nicht schon genug, verleiht der Dauerregen dem ganzen noch eine ordentliche Portion Rutschgefahr und macht die Quälerei somit perfekt.

Trotz der schwierigen Streckenverhältnisse, versuche ich bergab Tempo zu machen. Es erfordert ein Höchstmaß an Konzentration, um den ganzen Hindernissen auszuweichen, meine Augen sind permanent auf die Strecke gerichtet. Zack! Im nächsten Augenblick lande ich auch schon volle Karacho im Schlamm. Glücklicherweise waren keine Steine oder sonstige Spitze Gegenstände in meiner Landezone. In der Hoffnung, dass niemand diesen peinlichen Abgang bemerkt hat, rappele ich mich auf und renne weiter.

Eine innere Stimme sagt:  „Du hast es doch selbst so gewollt Christian“

Endlich, die erste Verpflegungsstation! Nach gut 9 äußerst anstrengenden Kilometern, greife ich nach einem Becher Elektrolytgetränk, stecke mir ein Stück Müsliriegel in die Backentasche und nehme den den nächsten Anstieg in Angriff.  Ich hatte schon viel früher das Verlangen nach etwas flüssigem, doch dummerweise ist mein Trinkrucksack leer. Soll ich meinen Rucksack hier noch schnell auffüllen? – Nein kostet zu viel Zeit, lauf weiter!

Bis Kilometer 18, geht es jetzt erst mal aufwärts. Auf einer Höhe von 548 Metern befindet sich der „Weiße Stein“. Leider liegen zwischen mir und dem weißen Stein noch ungefähr 500 Meter positive Höhendifferenz.

Ich bin kurz davor auszusteigen. Mein Schnitt ist unter aller Sau und meine Beine fühlen sich beschissen an! Doch dann wäre ich völlig umsonst den weiten Weg nach Heidelberg gereist und hätte völlig umsonst 80,-€ Startgeld bezahlt! Das würde mich die nächsten paar Wochen beschäftigen. Also weiter geht´s, egal wie weh es tut!

Endlich, da ist er, der weiße Stein! Die nächsten 12 Kilometer geht es jetzt fürs Erste bergab. Richtig Fahrt aufnehmen kann ich jedoch nicht, die Beine sind schon zu müde um nochmal ordentlich auf die Tube zu drücken. Also versuche ich mich von den Strapazen etwas zu erholen und mich für den nächsten und letzten Gipfel zu rüsten.Heidelberg Trail Marathon Weißer Stein

Schluss mit lustig, genug mit bergab, jetzt wird´s steil! Und zwar für die nächsten 6 Kilometer. Die Spitze des Eisbergs beginnt definitiv ab Kilometer 36. Ab hier geht es die Himmelsleiter hinauf, Laufen ausgeschlossen! Über Naturstein-Stufen, welche schief, äußert hoch und zudem noch rutschig sind, geht es über gut einen ganzen Kilometer, 200 Höhenmeter steil nach oben. Ganze 15 Minuten kostet mich diese Leiter der Quälerei.Himmelsleiter

Oben brauche ich erst mal eine Pause. An der Verpflegungsstation schütte ich unzählige Becher Afri-Cola in mich hinein und schiebe zwei Gels hinterher.

Auf den Weg herunter zum Schloss habe ich mich zu früh gefreut, denn die Bezeichnung Weg, hat diese Buckelpiste eigentlich nicht verdient. Ich habe Mühe überhaupt unter einem Schnitt von 7 Minuten pro Kilometer zu bleiben, und dass BERGAB!

Ich bin so erleichtert als die Mauern des Heidelberger Schlosses in der Ferne auftauchen! Ich bin froh, überhaupt das Ziel erreicht zu haben. Ganze Vier Stunden, Neun Minuten und 16 Sekunden habe ich für die 42,195 Kilometer gebraucht. Ziel Heidelberg Trailmarathon

Diese Zeit gilt es nächstes Jahr zu toppen.

 

 

100 Kilometer-Lauf in Biel/Bienne

Langsam legt sich die Dunkelheit und mein Sichtfeld wächst über den Lichtkegel der Stirnlampe hinaus. 80 Kilometer habe ich bereits hinter mir gelassen, weitere 20 liegen noch vor mir. Eigentlich ein Klacks, doch mit jedem Schritt jagen Schmerzen durch meinen ganzen Körper, die mit Worten nur noch schwer zu beschreiben sind. Wie schön wäre es jetzt einfach stehen zu bleiben, doch ans Aufgeben verschwende ich noch keine Gedanken. Noch nicht. Soviel steht jedoch fest, heute Nacht wird meine Willenskraft auf ihre bisher größte Probe gestellt.


Schon seit einigen Stunden liege ich wach im Bett. Die Aufregung ist zu groß um nochmal einzuschlafen. Die Ungewissheit über die bevorstehende Nacht  lässt mir keine Ruhe.  Fast schon erleichtert steige ich aus dem Bett, als der Wecker um 9:00 Uhr endlich klingelt.

Mein Tagesablauf ist bis in kleinste Detail minutengenau geplant. Der erste Punkt, den ich sogleich in Angriff nehme, ist das Frühstück. Damit werden die über Nacht geleerten Glykogenspeicher in der Leber wieder aufgefüllt, zu späterer Stunde werde ich jedes einzelne Kohlenhydrat benötigen.  Wie an Wettkampftagen üblich setze ich auf den altbewährten Haferbrei, für Experimente ist heute kein Platz.  Auf die geliebte Tasse Kaffee muss ich jedoch verzichten, denn ich bin schon seit einer Woche auf Koffeinentzug. So lässt sich die aufmunternde Wirkung von Koffein wieder herstellen, wenn man so wie ich ein Kaffeejunkie ist und sich bereits eine gewisse Immunität entwickelt hat.

Die Tageszeitung lege ich ungelesen beiseite, dafür ist keine Zeit. Erneut gehe ich bereits zum Xten Mal meine Checkliste durch, bevor ich die Ausrüstung in meiner Tasche verschwinden lasse. Sicher ist sicher…Ausrüstung

Fast zeitgleich mit der Ankunft von Thomas schließe ich den Reisverschluss meiner Sporttasche,  die anschließend im Kofferraum verschwindet.  Geduldig warten wir jetzt noch auf die letzten Reisebegleiter. Die backen derweil noch munter im Backofen vor sich hin, denn ihre Bräune lässt noch etwas zu wünschen übrig.  Nachdem ich mir beim Herausnehmen der Laugenstangen meine Finger am Backblech verbrannt habe, kann es endlich losgehen.

Gehorsam folgt Thomas den Befehlen des Navigationssystems, das uns durch die abgelegensten Ecken Frankreichs leitet. Vielleicht war es keine so gute Idee bei der Routenwahl „kürzeste Route“ zu wählen…  Es rollt überhaupt nicht, eine Baustelle jagt die nächste und wenn mal keine Baustelle in der Nähe ist, behindern LKWs oder Traktoren den Verkehr. Zum Glück ist für den Hunger vorgesorgt,  denn wir sind bis auf die Zähne mit allerlei Leckereien bewaffnet. Ich beschränke mich jedoch auf Laugenstangen und Kekse, die BiFis und Apfeltaschen die mir Thomas anbietet, lehne ich mit Rücksicht auf meine nervöse Verdauung dankend ab. Gerade rechtzeitig, bevor unsere Nahrungsmittelvorräte zu Neige gehen, erreichen wir Biel. Zwar zwei Stunden später als geplant, doch immer noch früh genug. Trotz Verspätung finden wir prompt einen freien Parkplatz in Startnähe, einer der Letzten, wohlgemerkt.

Ohne zu trödeln machen wir uns auf den Weg zum Kongresshaus um unsere Startnummern abzuholen. Alles funktioniert schnell und reibungslos. Uns bleibt noch ausreichend Zeit um die verschiedenen Stände diverser Sportartikelhersteller zu begutachten,  bevor ich mich um neun Uhr vorerst von Thomas verabschieden muss. Leider dürfen die Radbegleiter beim Start nicht dabei sein, vermutlich wäre das Gedränge dann zu groß. Erst bei km 22 wird Thomas in das Rennen einsteigen.

Bis zum Start ruhe ich mich noch etwas in Startnähe aus. Langsam spüre ich, wie mich die Müdigkeit einholt. Dabei stelle ich mit Erschrecken fest, dass  die Koffeintabletten, die mir vor dem Start noch eine Portion Energie verschaffen sollten, noch im Auto liegen.  Den Schlüssel hat Thomas, der mittlerweile bereits  über alle Berge ist. Eine Woche Kaffeeverzicht für die Katz….

Um halb Zehn versammeln wir Läufer uns hinter der Startlinie. Ich bin aufgeregt und etwas ängstlich zugleich. Werde ich die Nacht besiegen?  War der Anreisetag  vielleicht etwas zu viel für mich? Ich habe keine Ahnung. Das Warten im Startblock kommt mir vor wie eine halbe Ewigkeit. Endlich, die letzte Minute des Countdowns ist angebrochen.

Kawumm! Mir scheint als wäre nicht nur die Distanz riesig, sondern auch die Startpistole. Ein lauter Knall eröffnet die Jagd, die erst am nächsten Morgen ihr Ende finden wird. Begleitet von dem Song „Tage wie diese“ von den Toten Hosen laufen wir in die Nacht hinein. Die ersten Kilometer führen uns durch die Straßen von Biel. Der Straßenrand ist übersäht von Zuschauern, die uns mit ihren Jubelschreien Mut machen. Trotz dem ganzen Spektakel fühle ich mich müde und schlaff. Mein Puls ist höher als gewohnt bei diesem Tempo. Schweißperlen laufen mir durchs Gesicht, es ist sehr warm und die Luftfeuchtigkeit ist sehr hoch. Was für ein Start…

6 Kilometer sind geschafft, da kommt auch schon der erste Anstieg. 85 Höhenmeter, verteilt auf 2,5 km, stehen mir bevor.  Bewusst schalte ich einen Gang zurück um meine Muskeln nicht schon in diesem frühen Stadium müde zu machen.

Meine Ernährungsstrategie geht anfangs nicht ganz auf, denn ohne Flüssigkeit kann ich keine Energiegels aufnehmen. Ohne Thomas muss sich meine Kalorienzufuhr auf diesem ersten Teil also auf die Verpflegungsstationen beschränken.

Als ich den Ort Lyss erreiche, laufe ich bereits knappe zwei Stunden durch die schwüle Juninacht. Dies ist ein wichtiger Ort, denn hier treffen (hoffentlich) die Läufer auf ihre Radbegleiter.  Etwas verdutzt nehme ich das Chaos wahr, das sich links und rechts von mir abspielt. Hunderte von Zuschauer machen die Nacht zum Tag, dazwischen befinden sich immer wieder einzelne Radbegleiter, die auf ihre Läufer warten. Nervös reduziere ich das Tempo und scanne den Streckenrand nach Thomas ab, der eigentlich erst in 10 Minuten mit meiner Ankunft rechnet. In diesem Chaos jemanden zu finden ist so gut wie unmöglich. Muss ich die 100 Kilometer womöglich alleine bewältigen?  Ich gerate etwas in Panik, so habe ich mir das nicht vorgestellt. Als ich fast am Ende des ganzen Tumults angekommen bin, entdecke ich Thomas, der dem Chaos etwas entflohen ist.

Von nun an geht es vorerst zu zweit weiter. Die anfängliche Müdigkeit ist überwunden und das ganz ohne Koffein. Ich fühle mich gut und renne fast schon etwas euphorisch durch die fast mondlose Nacht. Alle 25 Minuten nehme ich ein GU Roctane Energy Gel zu mir, dicht gefolgt von einem kräftigen Schluck Elektrolytegetränk. Ich bin froh jemanden wie Thomas an meiner Seite zu haben, dessen vollgepackter Rucksack so manche Verpflegungsstation in den Schatten stellen würde. Wir quatschen über alles mögliche während wir Kilometer für Kilometer hinter uns lassen. Von Langeweile ist keine Spur, vertieft in Männergespräche vergeht die Zeit wie im Flug.Biel 100 km Nacht

Mit jedem Läufer an dem wir vorbei ziehen, steigt meine Motivation. In den Dörfern die wir unterwegs passieren, haben sich trotz der späten Stunde Zuschauer versammelt, um uns Läufer mit Applaus zu unterstützen.

Problemlos passieren wir Kilometer 50 und nehmen die zweite Hälfte in Angriff. Bis jetzt läuft es sehr gut, mein Tempo ist deutlich höher als geplant, hoffentlich halte ich das durch. Es dauert nicht lange, da melden sich auch zum ersten Mal meine Beine. Es sind keine besonders schlimme Schmerzen, doch ich fürchte, dass sich dies noch ändern wird. Ich beginne damit, die vor mir liegende Distanz in kleine Häppchen aufzuteilen: Noch ein paar Kilometer bis zum Ho-Chi-Minh-Pfad, danach sind es „nur noch“ 33 Kilometer, die schaffe ich dann auch noch irgendwie.

Bei Kilometer 56 verabschiede ich mich noch ein letztes Mal von Thomas, der bis Kilometer 67 einen Umweg nehmen muss. Dieser Abschnitt ist technisch etwas anspruchsvoller und deshalb für Radfahrer tabu.

Es ist immer noch stockdunkel als ich auf dem schmalen Pfad in das Waldstück einbiege. Von einem auf den anderen Moment herrscht absolute Stille. Keine grölenden Zuschauer weit und breit. Abseits von beleuchteten Straßen und Verpflegungsstationen folge ich mit nach unten gerichtetem Blick dem Pfad. Unterbrochen wird diese Dunkelheit nur durch kleine Markierungsleuchten, die in regelmäßigen Abständen signalisieren, dass ich noch richtig bin. Irgendwie fühle ich mich gut in diesem Augenblick und steigere mein Tempo. Vielleicht geht es auch einfach nur leicht bergab, was ich in der Dunkelheit jedoch nicht erkennen kann. Immer wieder tauchen in der Ferne die tanzenden Lichter anderer Läufer auf, die ich meist kurze Zeit später hinter mir lasse.

Verwundert laufe ich an den Radbegleitern vorbei, die bei km 67 warten. Ich habe gar nicht registriert, dass ich bereits 12 km zurückgelegt habe.  Stolz erzähle ich Thomas, der über meine frühe Ankunft sichtlich überrascht ist, von den vielen Läufern die ich auf diesem Teilstück hinter mir gelassen habe.

Kurze Zeit später erhalte ich dafür auch prompt die Quittung. Von einem auf den anderen Moment fühle ich mich wie erschlagen. Die Schmerzen in meinen Beinen lassen sich nicht mehr einfach ignorieren. Mein ungezügelter Wortschwall, der auf den ersten 55 Kilometern noch herrschte, ist verstummt.  Wenn ich nun etwas sage dann ist das meist:  Ich brauche Wasser, oder ich brauche Gel. Apropos Gel, ich kann dieses klebrige Zeugs nicht mehr sehen. Ich brauche endlich was Richtiges zwischen den Zähnen! An der nächsten Verpflegungsstation stoppe ich kurz und greife mir einen Energieriegel, den ich mit einem Becher Pepsi hinunterspüle.  Die genau geplante Ernährungsstrategie ist vergessen, 240 Kalorien pro Stunde hin oder her. Ich greife das, wonach mir gerade der Kopf steht und das sind momentan Riegel und Pepsi.

Mittlerweile hat auch Thomas bemerkt, dass sich bei mir etwas verändert hat. Mit den Worten

„Schmerz ist nur ein subjektives Empfinden“

versucht Thomas mich aufzuheitern und zu ermutigen weiter zu machen.

Thomas Hände sind schon ganz klebrig von den Pepsibechern, die er für mich transportiert.  Als ob das nicht schon genug wäre, wird er an der nächsten Verpflegungsstation von einem Pepsi-Becher eines anderen Läufers erfasst, dessen Feinmotorik scheinbar schon etwas unter den Strapazen leidet.

Bei Kilometer 77 wird es noch einmal richtig hart, ein fieser Anstieg baut sich wie eine Wand vor uns auf. Die Läufer vor mir gehen hier hoch und sind dabei nicht langsamer als ich im Laufschritt. Trotzdem kämpfe ich mich, wenn auch nur langsam, aber laufend,  diesen letzten Hammer hinauf. Nachdem dieser letzte Berg geschafft ist,  findet auch die Nacht so langsam ihr Ende. Das Morgengrauen (zu diesem Zeitpunkt für mich wirklich ein Grauen) bricht heran. Die Landschaft um uns herum wird von Kilometer zu Kilometer klarer. Eine Bäckerei, deren Duft von frisch gebackenen Brötchen auf die Straße dringt, lässt meinen Magen rebellieren.Biel 100 km morgengrauen

Morgengrauen

Es dauert nicht mehr lange bis zur 90 Kilometer – Marke. Meine Beine tun mittlerweile höllisch weh, jeder einzelne Schritt kostet Überwindung. Mir scheint als würden die Kilometer immer länger werden, mein Blick ist fast permanent auf meine Uhr gerichtet, deren Display scheinbar auf Zeitlupe gestellt ist. Ich versuche einen Fuß vor den anderen zu setzten und suche mir immer wieder kleine Ziele in meiner Umgebung, die ich mir vornehme zu erreichen. Unaufhörlich versucht mir mein Körper mitzuteilen: Ich kann nicht mehr hör doch auf, es ist genug! Es fällt mir äußerst schwer diesem Drang nicht nachzugeben. Doch ich habe mich nicht 90 Kilometer durch die ganze Nacht gequält um jetzt so kurz vorm Ziel aufzugeben.

Ganze 1,5 Minuten mehr Zeit, benötige ich mittlerweile für den Kilometer. „Genieß die letzten 10 Kilometer, bald hast du es geschafft“ sagt Thomas gelassen zu mir, doch an genießen ist nicht mehr zu denken. Genießen kann ich erst, wenn ich in den bequemen Sitzen von Thomas Renault versinken kann. Meter für Meter kämpfe ich mich mit schweren,  schlürfenden Schritten weiter in Richtung Ziel. Nur noch ein paar Kilometer liegen vor mir. Ein letztes großes, fast unüberwindbares Hindernis, bäumt sich vor mir auf. Eine Brücke, die über eine kreuzende Straße führt, raubt mir  bei km 98 auch noch das letzte bisschen Kraft in den Beinen. Jetzt ist es fast geschafft. Ein Kribbeln macht sich in mir breit und Freude steigt auf. Vor mir tauchen Straßenabsperrungen auf, die die Strecke beim Start von den Zuschauermengen abschirmte. Von diesen Zuschauermengen sind nur wenige hart gesottene übrig geblieben, oder wahrscheinlich schon wieder da. Kein Wunder, es ist ja auch 7 Uhr in der Früh. Die, die noch hier stehen, geben mir Beifall und feuern mich an. Ich kann es gar nicht richtig fassen als ich die Ziellinie überquere, alles wirkt irgendwie so surreal. Ich bin so glücklich und erleichtert, dass mir fast ein paar Tränen entweichen. Meine Zeitvorstellung von unter 10 Stunden, habe ich mit 8 Stunden, 54 Minuten und 24 Sekunden deutlich getoppt. Was für ein Erfolg!

ZieleinlaufBiel 100 km Thomas

Unmittelbar nach dem Rennen sind wir die  5 – stündige Heimreise angetreten. Nun sitzen Thomas, seine Freundin und ich,  gemeinsam mit meinen Eltern zusammen und genießen die Pizza, welche meine Mutter zur Feier des Tages gebacken hat. Es gibt viel zu erzählen und zu lachen an diesem Abend. Eigentlich bin ich satt, doch ich schaffe noch zwei Stücke Linzer Torte, die ich mir für heute gewünscht habe.

Halbmarathon Heidelberg 2015

Mein Vater und ichSonntagmorgen 05:00 Uhr, die Alarmfunktion meiner Polar V 800 meldet sich lautstark zu Wort. Au weia, ist es wirklich schon soweit?  Ich quäle mich aus dem Bett und wanke in Richtung Kaffeemaschine. Nach der zweiten Tasse werden die Umrisse langsam schärfer. Meine Gedanken drehen sich vermehrt um die Frage ob ich den für heute geplanten Wettkampf absagen soll, oder nicht? Meine Lust hält sich jedenfalls stark in Grenzen. Grund dafür ist der gestrige 5er, mit dem ich mir abends die Beine noch etwas auflockern wollte. Dieses Vorhaben ist ist jedenfalls gründlich in die Hose gegangen. Nass Geschwitzt, nach Sauerstoff ringend und mit Magenschmerzen, kam ich nach Hause. Ob der mit Kohlenhydraten vollgestopfte Bauch, meine Heuschnupfenallergie oder der Rote – Beete Saft daran Schuld ist, kann ich nicht genau sagen… Vielleicht bin ich auch einfach zu fett geworden? Meine Form war schon mal besser…

Am liebsten würde ich mich wieder in meinem warmen Bett verkriechen, doch mein schlechtes Gewissen hindert mich daran. Schließlich kann ich meine Mom, die sich ebenfalls für diesen Lauf angemeldet hat, nicht im Stich lassen.

In 60 Minuten ist Abfahrt! Bis Heidelberg ist es schließlich ein Stück. Genauer gesagt ca. 150 Kilometer. Was für ein Stress! Wie gewöhnlich habe ich es gestern verpasst meine Tasche zu packen und etwas essen muss ich ja schließlich auch noch!

Im Rekordtempo stopfe ich alles in die Tasche was irgendwie nach Wettkampf aussieht, in der Hoffnung, nicht allzu viel zu vergessen. Fertig! Jetzt schnell in die Küche Porridge zubereiten. Ich schlinge das Porridge herunter, fatal für meine Verdauung. Hoffentlich gibt es genug Dixi-Klos! Fertig mit essen, fühle mich vollgestopft und faul, würde jetzt am liebsten ein Nickerchen machen.

Abfahrt! Auf der ungemütlichen Rücksitzbank gehe ich das Rennen in meinem Kopf nochmal durch.

Nachdem uns mein Vater zuverlässig nach Heidelberg navigiert hat, fanden wir zum Glück direkt einen freien Parkplatz. Jetzt nichts wie auf zur Startnummernausgabe. Dort hält sich der Betrieb  in Grenzen. Beim  Anbringen der Startnummer nur noch versuchen allzu große Blutverluste zu vermeiden und dann kann es los gehen.

Beim Warmlaufen bleibe ich ständig in der Nähe der Dixi-Klos. Nachdem ich jedes Einzelne einmal ausprobiert habe, wird es auch schon Zeit für die Startaufstellung.

Als einer der Ersten befinde ich mich im Startblock. Bin ich zu früh? Hoffentlich kühle ich jetzt nicht ab bis zum Start! Auf rumhüpfen habe ich keine Lust, Bauch viel zu voll! Schlechtes Gewissen: Hättest weniger fressen sollen du Idiot! Egal, jetzt wird nicht mehr gekniffen!

Peng!!! Los gehts!!! Beim Überqueren der Startmatte drücke ich den roten Knopf meiner Laufuhr. Der Lauf beginnt harmlos, den ersten Kilometer geht es leicht bergab. Ich fühle mich gar nicht so schlecht, 03:36 vielleicht etwas zu schnell. Quatsch die ersten 7 Kilometer sind die einzig flachen auf dieser Strecke, jetzt gilt es Zeit gut zu machen. Bei Kilometer 7 angelangt liegt mein Schnitt bei 03:50, aber nicht mehr lange, denn der erste Anstieg liegt vor mir. Von Leichtigkeit ist nun keine Rede mehr, ich fühle mich wie ein nasser Sack. Der Schnitt auf meiner Uhr hat kein Erbarmen und fällt unermüdlich. Der Erste Anstieg

Endlich oben. Zeit aufholen Fehlanzeige, erst mal etwas erholen. Meine Oberschenkel schmerzen stark, ich kann nicht richtig rollen lassen.

Der nächste Berg kommt schnell. Kurz, aber dafür extrem steil, vermutlich würde ich gehend nicht viel Zeit einbüßen. Kommt nicht in die Tüte! Beweg deinen Arsch, das ist schließlich ein 21 km >LAUF <. Oben angekommen sehe ich die Verpflegungsstelle. Völlig erschöpft greife ich nach dem Becher mit Iso, bekomme ihn allerdings nicht richtig zu greifen und verschütte mich total. Die darauffolgende Bergab-Passage ist sehr steil, meine Füsse hämmern auf den Asphalt und meine Gelenke schreien nach einer Pause. Hat man mal ein bestimmtes Maß an Erschöpfung erreicht, ist es so gut wie unmöglich, dieses Gefühl ohne eine Gehpause zu beseitigen.

Mit Schrecken denke ich schon an den unmittelbar vor mir liegenden letzten Anstieg bis zum Heidelberger Schloss hinauf. Das Schlimme an diesem Anstieg ist, dass er extrem steil beginnt und dann scheinbar kein Ende nehmen möchte.

Fix und fertig schleppe ich mich Höhenmeter um Höhenmeter nach oben. Auch die von Musik begleiteten Choreographien der Zuschauer lösen keine Euphorie mehr bei mir aus. Ich will einfach nur ins Ziel kommen, die Zeit vom letzten Jahr kann ich sowieso vergessen! Eine gefühlte Ewigkeit später sehe ich das Schloss. Erleichterung macht sich breit! Gleich hast du es geschafft, jetzt geht es nur noch bergab. Die letzten Meter durch die Fußgängerzone hole ich nochmal alles raus, damit ich möglichst schnell aussehe. Ich drücke auf Stopp, 01:28:52, gute 2 Minuten langsamer als im Vorjahr, au weia.IMG_20150503_104251 Im Ziel angekommen schütte ich erst Mal ein paar Becher Iso herunter und suche meinen Vater, der mich unterwegs fleißig angefeuert hat. Danach bleibt noch ein wenig Zeit zur Entspannung, die ich zum Erwerb eines Powerbars und einer Flasche alkoholfreiem Weizen nutze.

Mit neuer Kraft begeben wir uns an den Streckenrand um meine Mutter beim Zieleinlauf abzufeuern. Nach 02:32:12 überquert sie die Ziellinie.IMG_20150426_135225

Dies war mal wieder einer dieser Wettkämpfe, den man in die Schublade „schlechte Erfahrungen“ stecken kann.

Jetzt habe ich erstmal genug von diesen „schnellen“ Läufen. Beim nächsten Wettkampf in Biel wird es deutlich entspannter los gehen. Dass es sich dabei allerdings um einen 100 Kilometer Lauf handelt ist ja nicht so tragisch.

Einen weiteren Bericht zum Heidelberg Halbmarathon findet ihr bei meinem Namensvetter auf Brennr.de

Crosslauf in Oberbrombach

Endlich ist es wieder soweit, am Samstag, den 17. Januar, läutete der Crosslauf in Oberbrombach offiziell den Beginn der neuen Laufsaison ein.

In Anbetracht meiner aktuellen Form, setzte ich keine allzu großen Hoffnungen in dieses Event. Zwar konnte ich bereits erste Fortschritte bei meiner Diät erzielen, von meinem Wunschgewicht trennen mich allerdings noch einige Kilos. Die Kombination aus intermittierendem Fasten und dem Verzicht auf kohlenhydratreiche Lebensmittel, würden das  Rennen mit Sicherheit nicht einfach machen.

[av_icon_box position=’left‘ boxed=“ icon=’ue81f‘ font=’entypo-fontello‘ title=’Intermittierendes Fasten‘ link=“ linktarget=“ linkelement=“ font_color=“ custom_title=“ custom_content=“ color=“ custom_bg=“ custom_font=“ custom_border=“] Intermittierendes Fasten bedeutet, innerhalb von 24 Stunden eine Fastenperiode einzulegen. In meinem Fall bedeutet dies, das Frühstück zu überspringen. So habe ich vom Abendessen bis zum nächsten Mittagessen 16 Stunden ohne Nahrungszufuhr. In dieser Zeit arbeitet die Fettverbrennung auf Hochtouren und das Verdauungssystem kann sich erholen.
[/av_icon_box]

An Wettkampftagen wie heute, weiche ich allerdings von diesem Prinzip ab und genehmige mir ein kohlenhydratreiches Frühstück. Zu groß ist die Angst vor einem totalen Leistungseinbruch und dem dementsprechenden Resultat. Bei meinem Frühstück setzte ich wie immer auf mein altbewährtes Porridge, das vor Kohlenhydraten nur so strotzt. Zum Mittagessen gab es Toasts mit Schoko- Aufstrich. Diese sind schnell verdaut und liefern schnelle Energie.

Da ich die Vormeldung verschlafen hatte, musste ich schon eine Stunde vor Startbeginn, welcher für 15:20 angesetzt war, an Ort und Stelle sein, um mich nachmelden zu können. Mit der Startnummer im Besitz, legte ich meine Sachen anschließend in der Umkleide ab und fing an, mich auch dem Sportgelände aufzuwärmen. Ein paar Runden um den Sportplatz und eine Runde über die Wettkampfstrecke, mit ein paar abschließenden Steigerungen, genügten mir um auf Betriebstemperatur zu kommen.

Um 15:20 fing der Moderator an, von 5 zurück zu zählen und gab das Startsignal. Auf der nicht sehr breiten und äußerst matschigen Strecke herrschte anfangs ein ziemliches Gedränge. In der Vergangenheit hat sich jedoch bis jetzt immer gezeigt, dass sich dies relativ schnell wieder legt, und so war es auch dieses Mal. In der Hälfte der ersten Runde befand ich mich, soweit ich mich richtig erinnere auf dem 4. Platz. Ich hielt mich dicht hinter dem von mir als Favorit eingestuften Mann, der das Rennen scheinbar langsam angehen wollte. So hatte ich für die ersten Runden einen guten Tempomacher. Als dieser jedoch später das Tempo verschärfte, musste ich, wie mir schon vorher klar war, abreißen lassen.Crosslauf Oberbrombach Rennen Ich befand mich zwischenzeitlich auf Platz 2, doch ich hatte ein paar Verfolger im Nacken, die nicht locker lassen wollten. Ab der vierten von insgesamt 6 Runden, wurde es dann langsam hart. Die abschließende Steigung einer jeden Runde hatte es faustdick hinter den Ohren und brachte meine Beine ganz schön zum Brennen. In der letzten Runde war ich sozusagen laufend K.O und musste das Tempo drastisch verringern. Auch die motivierenden Zurufe meiner Eltern brachten mir leider keinen Extraschub mehr. Das Benzin war leer, es ging nichts mehr. Also kam es wie es kommen musste und ich wurde kurz vor dem Ziel noch zwei Plätze nach hinten gereicht. Zum Schluss war mehr als ein enttäuschender vierter Platz leider nicht drin.

Aber was erwarte ich auch? – Nach einer Woche quasi ohne Kohlenhydrate und einem Defizit von 7000 Kalorien, sind Höchstleistungen schlichtweg nicht möglich. Also Schwamm drüber und den Blick nach vorne richten. Was zählt ist Heidelberg im April. Alles andere sehe ich als Vorbereitung dafür. Der nächste Crosslauf findet am letzten Samstag im Januar statt, ich bin gespannt wie sich meine Form bis zu diesem Zeitpunkt verändert hat.

Silvesterlauf Mörschied

Wie jedes Jahr, bildete auch dieses Mal der Silvesterlauf in Mörschied den Abschluss der Laufsaison. Im Gegensatz zum letzten Mittwoch, beim Bärenfels-Marathon, sollte die heutige 10 Kilometer lange Strecke eigentlich ein Klacks werden. Meine Regenerationstaktik, war mal wieder unter aller Sau gewesen, denn es gelang mir gerade mal einen Tag die Beine still zu halten.

Nachdem am Montag und Dienstag die Vernunft dann doch größer war als der Drang nach Bewegung, hatten meine Beine wenigstens 2 Tage Zeit um sich zu erholen. Ob das genügte, war ich mir allerdings nicht so sicher. Da der Start erst um 12:00 Uhr war, konnte ich an diesem Morgen mal so richtig schön ausschlafen. Drei Stunden vor dem Start vernichtete ich noch eine viel zu große Portion Porridge. Ich liebe Porridge, vor allem mit Apfelstückchen. Diese lagen mir heute allerdings sehr schwer im Magen. Mir war auch bewusst, dass dies sich in den nächsten 3 Stunden vor dem Start auch nicht bessern würde – Mist-.

In den letzten Tagen, hatte es bei Temperaturen rund um den Gefrierpunkt regelmäßig geschneit, gute Streckenverhältnisse konnte ich mir also abschreiben. Umso größer würde die Bedeutung der Schuhwahl werden. Spikes kamen nicht in die Tüte, denn damit kam ich noch nie gut klar. Von meinen anderen Schuhen kam eigentlich auch kein Modell in Frage, die leichten Wettkampfschuhe boten wahrscheinlich keinen ausreichenden Halt und die etwas stabileren waren auch nicht wirklich Trail-geeignet. Die logische Schlussfolgerung war also, etwas Neues muss her. Tadaaaa…..

Salomon Speedcross 3Zum Glück hatte der nahegelegene Schuhladen eine Lösung parat, den Salomon Speedcross 3 GTX. Aufgrund seines groben Profils, sollte dieser gut mit den Schnee- Matsch – nass – kalt – igitt – Verhältnissen zurecht kommen, hoffte ich jedenfalls. Auch für die kommende Crosslaufsaison, dachte ich, wäre dieser Schuh ein gutes Mittelding zwischen Spikes und Wettkampfschuh.

Nun war ich also gerüstet, um das letzte Mal in diesem Jahr so richtig Volldampf zu geben. Außer einem noch nicht ganz verkrafteten Marathon und einer großen Menge unverdauter Äpfel, welche munter in meinem Magen umherschwappten, war alles perfekt!

Mit meinen tollen neuen Schuhen, schweren Beinen und einem vollen Bauch befand ich mich schließlich hinter der Startlinie. Nach dem Start ging es erst mal ca. einen Kilometer bergauf. Der Untergrund bestand in diesem Abschnitt aus Asphalt, Eis und Schnee. Hier erwies sich das grobe Profil meiner Schuhe eher als nachteilig. Nach einem knappen Kilometer waren wir oben angelangt und mir war schon ziemlich klar, dass meine Form heute keine Gute war. Meine Schienbeine fingen gegen Ende des Anstiegs an unheimlich zu schmerzen und überhaupt fühlte ich mich sehr schwerfällig. Von nun an ging es für die nächsten 4 Kilometer leicht bergab. Ich befand mich auf Position 5 und es viel mir nicht leicht an meinem Vordermann dran zu bleiben. Unter großer Mühe, startete ich bei Kilometer 5 einen Überholversuch und setzte mich auf Platz 4. Ich wollte den Angriff so früh wie möglich wagen, in der Hoffnung, dass meine Ausdauer mir gegen Ende des Rennens einen Vorteil verschaffen würde. Nun hatte ich allerdings stets einen Verfolger im Nacken sitzen, der sich einfach nicht abschütteln ließ. Ich versuchte  weiter Druck zu machen, meine Beine schmerzten höllisch. Auch auf den nächsten beiden ungemütlichen Anstiegen konnte ich nicht wirklich Abstand gewinnen. Hätte ich den Verfolger nicht hinter mir gehabt, wäre ich vermutlich deutlich langsamer gelaufen. Nachdem  auch der letzte Anstieg geschafft war, konnte ich mit aller Mühe meine Position 4 bis ins Ziel retten. Die Zeit von 39:45 Minuten war deutlich langsamer als im Jahr zuvor, wo allerdings die Streckenverhältnisse besser waren und ich auch keinen Marathon in den Beinen hatte.

Das war mal wieder so ein Wettkampf mit dessen Ergebnis ich vollkommen unzufrieden war, obwohl ich alles gegeben hatte. Solche Tage gibt es immer wieder, man muss diese einfach abhaken und das nächste Mal versuchen es besser zu machen. Eine gute Trainingseinheit war es auf jeden Fall.

 

Bärenfels Heiligabendlauf (Marathon)

Heute ist Weihnachten, das Fest der Liebe, Besinnlichkeit und der Familie. Für alle Verrückten, die vor der Bescherung nochmal so richtig Dampf ablassen wollen gibt es zum Glück eine Lösung.

Den Bärenfels Heiligabendlauf, an dem auch mein Trainingspartner Markus und ich am Start waren.  Neben einem Schüler- und einem 8,5 Kilometer Lauf, gibt es auch einen Marathon im Angebot. Selbstverständlich haben wir uns für den Marathon angemeldet, um so viele Kalorien wie möglich vor dem großen Fressen verbrennen zu können.

Die Langschläfer unter den Lauffreaks haben es schwer an diesem Tag, denn gestartet wird bereits um 08:15 Uhr. Selbst für mich, der nur 20 Minuten Fahrtzeit vom Austragungsort entfernt wohnt, hieß es um 05:30 Uhr raus aus den Federn. Der Gedanke dem Wecker den Garaus zu machen, fand ich kurzzeitig recht attraktiv, doch da war ja noch Markus, der mich um kurz vor sieben abholen kam.

Natürlich hatte ich wie immer bereits am Vorabend alles vorbereitet, außer um meinen Haferbrei, musste ich mir also um nichts mehr Gedanken machen. Pünktlich wie immer stand Markus dann um kurz vor sieben auf meiner Matte, bereit für den Bärenfels 😉

Kurze Zeit später erreichten wir unser Ziel. Unter einer Brücke, im Scheinwerferlicht eines laufenden PKW´s, nahmen wir unsere Startnummern entgegen und begaben uns zurück zu unserem Auto wo wir noch ein wenig relaxten. Auf das übliche Warm-Up verzichteten wir dieses Mal, denn da wir ja nur locker laufen wollten, hatten wir ja die nächsten 42 Kilometer genügend Zeit um warm zu werden.

Startnummernausgabe

Los ging es dann pünktlich um 08:15 Uhr, auf die Erste von insgesamt 5 hartnäckigen Runden. Die ersten Läufer setzten sich relativ schnell ab, danach kamen Markus mit  seinem Kumpel Max und ich. Am ersten Anstieg, der nicht lange auf sich warten ließ, musste ich Markus etwas bremsen, denn das Tempo kam mir zu hoch vor. Bei insgesamt 5 Runden, wovon auf jeder knapp 200 Höhenmeter überwunden werden mussten, könnte ein zu hohes Anfangstempo sich später böse rächen.Start

Höhenprofil gesamtDie anspruchsvollste Passage des Kurses war so steil, dass wir diese gehen konnten, ohne dabei wirklich Zeit zu verlieren. Unterwegs machten wir an jeder Verpflegungsstation halt und ließen uns dabei relativ viel Zeit um unsere Energiereserven mit dem reichhaltigen Angebot an Getränken und Essen wieder aufzufüllen. Ich verfolgte dabei die Cola – Spekulatius – Taktik, die wie sich später herausstellen würde gar nicht so verkehrt war.

Kurz vor dem Start, hatte ich mich in Sachen Schuhwahl nochmal umentschieden. Statt die leichten Nike Lunarracer, entschied ich mich für meine neuen New Balance 1210 v4, die ich zuvor noch nie getragen habe. Mir ist durchaus bewusst, dass man niemals neue Schuhe an einem Marathon tragen sollte, aber ich hatte starke Bedenken, dass meine Nike mit den matschigen Streckenverhältnissen nicht zurecht kommen würden. Meine Entscheidung war scheinbar gar nicht so schlecht, denn ich hatte keinerlei Beschwerden während des ganzen Marathons, etwas traurig war ich nur darüber wie die neuen Schuhe danach aussahen. New-Balance

Es war ein relativ unspektakuläres Rennen ohne große Duelle und Zwischenfälle. Da wir uns in diesem angenehmen Tempo gut unterhalten konnten, wurde uns auf der immer gleichen Runde auch nicht langweilig. Kurz vor Beginn der letzten Runde fühlten sich meine Beine noch richtig gut an und ich entschied mich das Tempo gegen Ende noch etwas zu verschärfen. Christian-Markus-Bärenfels

Nach drei Stunden und acht Minuten, beendete ich schließlich erfolgreich das Rennen. Meine Uhr zeigte zwar nur 40,27 Kilometer an, dennoch war ich mit einem Schnitt von 04:38 auf dieser anspruchsvollen Strecke mit knapp 1000 Höhenmetern ganz zufrieden.

Markus kam nach 3 Stunden und 13 Minuten ins Ziel, er hatte in der letzten Runde leichte Krämpfe bekommen und zog aus diesem Grund nicht mit mir mit.

Danach ging es auf direktem Wege nach Hause, wo ich mit Markus noch eine Tasse Kaffee genoss und ihm sein Weihnachtsgeschenk überreichte, bevor er weiter nach Hause fuhr.Markus Weihnachtsgeschek

Halbmarathon Traben- Trarbach

Wir schreiben den 21.09.2014. Es war ein Sonntagmorgen und 6 Uhr in der früh, als der Wecker meinen Träumen ein schnelles Ende setzte. Ohne die Vorzüge der Schlummertaste auszukosten hastete ich aus dem Bett.

Da die einzige Vorbereitung am gestrigen Abend aus reichlich Pizza bestand, gab es an diesem Morgen noch einiges zu erledigen. Tasche packen, Kaffee kochen, Frühstück zubereiten und dann nix wie los, denn um halb Acht war Abfahrt.

Frühstück

 

Mit der Tasche im Schlepptau und Coffee to go in der Hand, machte ich mich auf den Weg zu Hans, der mich freundlicherweise mitnahm und ebenso für unseren Verein an den Start ging. Unser Ziel war Traben-Trarbach, dort fanden an diesem Wochenende die westdeutschen- und Rheinland- Meisterschaften im Halbmarathon statt. Nach 45 Minuten Fahrtzeit erreichten wir Traben-Trarbach und fanden zum Glück auch schnell einen Parkplatz.

Wettkampfbüro, Umkleiden, sowie Duschen waren in der Sporthalle untergebracht. Beim Betreten der Halle fiel schnell auf, dass es sich hier nicht um irgendeinen Volkslauf handelte. Überall waren schlanke, äußerst fit wirkende Athleten und Athletinnen zu sehen, die sich mental auf den Wettkampf vorbereiteten. Zwischenzeitlich waren auch meine Eltern eingetroffen, die mich bei meinem Versuch, das erste Mal unter 01:18:00 zu laufen anfeuern wollten.

Um keine wertvolle Energie zu verschwenden, beschränkte ich das Warm- Up dieses Mal auf das absolute Minimum. Pünktlich um kurz vor 10 Uhr, befanden sich alle Läufer und Läuferinnen hinter der Startlinie und warteten gebannt auf das Zeichen.

Start

Peng! Da war es! Die Meute stürmte los. Ich drückte auf den Startknopf meiner Polar und bekam auch prompt ein Feedback: Kein GPS – Signal verfügbar. Es fing also gut an! Natürlich verpasste ich im Anschluss auch die erste Kilometermarke und rannte quasi im Blindflug. Etwas später stellte ich entgeistert fest, dass das Tempo der Gruppe an die ich mich gehängt hatte viel zu hoch für mich war und musste abreißen lassen. Wie viel kostbares Pulver hatte ich wohl durch diesen blöden Anfängerfehler schon verschossen?

Irgendwann, nach ca. 3 Kilometern, hatte ich endlich wieder ein GPS -Signal. Die erste Kilometer-Zwischenzeit war 03:36, immer noch zu schnell, ich nahm noch etwas Tempo raus. Trotzdem war der Druck sehr hoch und wollte nicht weniger werden, diesen bis ins Ziel zu halten war kaum vorstellbar.

Na endlich, der Wendepunkt! Bereits jetzt schon, fühlte ich mich wie gekaut und ausgespuckt und musste den ganzen Weg wieder zurück. Ich hasse Wendepunkte, wenn man das Tempo komplett herausnehmen, und wieder beschleunigen muss, merkt man meistens erst, wie erschöpft man wirklich ist.

Ab diesem Punkt war es reine Kopfsache. Meine Beine wollten eigentlich nicht mehr, aber mein Kopf war immer noch entschlossen die Bestzeit zu knacken. Ich versuchte positiv zu denken. Noch 5 km, dann sind es nur noch 5 weitere km und die kannst du dich schon irgendwie durchbeißen! versuchte ich mir klar zu machen. Auch die nächsten 5 Kilometer hielt ich den Schnitt auf ca. 3:40/km, von nun an schaute ich nicht mehr auf die Uhr und versuchte die restlichen Kilometer einfach nochmal alles zu geben.

Dabei heraus kam letztendlich eine neue persönliche Halbmarathon – Bestzeit von 01:17:30. Ich war überglücklich und umarmte meine Eltern vor Freude, die ganze Quälerei hatte sich zum Schluss doch noch bezahlbar gemacht.

Im Ziel wurden Tee und Bananen angeboten, womit ich mich auch direkt versorgte. Im Anschluss wählte ich den direkten Weg unter die Dusche, denn zum Auslaufen war mir irgendwie nicht mehr zumute.

Im Ziel

Der restliche Tag spielte sich größtenteils in waagrechter Körperhaltung ab. Abends gab es dann zur Belohnung noch eine saftige Pizza, da zum kochen niemand mehr Lust hatte.

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