Wir schreiben den 21.09.2014. Es war ein Sonntagmorgen und 6 Uhr in der früh, als der Wecker meinen Träumen ein schnelles Ende setzte. Ohne die Vorzüge der Schlummertaste auszukosten hastete ich aus dem Bett.

Da die einzige Vorbereitung am gestrigen Abend aus reichlich Pizza bestand, gab es an diesem Morgen noch einiges zu erledigen. Tasche packen, Kaffee kochen, Frühstück zubereiten und dann nix wie los, denn um halb Acht war Abfahrt.

Frühstück

 

Mit der Tasche im Schlepptau und Coffee to go in der Hand, machte ich mich auf den Weg zu Hans, der mich freundlicherweise mitnahm und ebenso für unseren Verein an den Start ging. Unser Ziel war Traben-Trarbach, dort fanden an diesem Wochenende die westdeutschen- und Rheinland- Meisterschaften im Halbmarathon statt. Nach 45 Minuten Fahrtzeit erreichten wir Traben-Trarbach und fanden zum Glück auch schnell einen Parkplatz.

Wettkampfbüro, Umkleiden, sowie Duschen waren in der Sporthalle untergebracht. Beim Betreten der Halle fiel schnell auf, dass es sich hier nicht um irgendeinen Volkslauf handelte. Überall waren schlanke, äußerst fit wirkende Athleten und Athletinnen zu sehen, die sich mental auf den Wettkampf vorbereiteten. Zwischenzeitlich waren auch meine Eltern eingetroffen, die mich bei meinem Versuch, das erste Mal unter 01:18:00 zu laufen anfeuern wollten.

Um keine wertvolle Energie zu verschwenden, beschränkte ich das Warm- Up dieses Mal auf das absolute Minimum. Pünktlich um kurz vor 10 Uhr, befanden sich alle Läufer und Läuferinnen hinter der Startlinie und warteten gebannt auf das Zeichen.

Start

Peng! Da war es! Die Meute stürmte los. Ich drückte auf den Startknopf meiner Polar und bekam auch prompt ein Feedback: Kein GPS – Signal verfügbar. Es fing also gut an! Natürlich verpasste ich im Anschluss auch die erste Kilometermarke und rannte quasi im Blindflug. Etwas später stellte ich entgeistert fest, dass das Tempo der Gruppe an die ich mich gehängt hatte viel zu hoch für mich war und musste abreißen lassen. Wie viel kostbares Pulver hatte ich wohl durch diesen blöden Anfängerfehler schon verschossen?

Irgendwann, nach ca. 3 Kilometern, hatte ich endlich wieder ein GPS -Signal. Die erste Kilometer-Zwischenzeit war 03:36, immer noch zu schnell, ich nahm noch etwas Tempo raus. Trotzdem war der Druck sehr hoch und wollte nicht weniger werden, diesen bis ins Ziel zu halten war kaum vorstellbar.

Na endlich, der Wendepunkt! Bereits jetzt schon, fühlte ich mich wie gekaut und ausgespuckt und musste den ganzen Weg wieder zurück. Ich hasse Wendepunkte, wenn man das Tempo komplett herausnehmen, und wieder beschleunigen muss, merkt man meistens erst, wie erschöpft man wirklich ist.

Ab diesem Punkt war es reine Kopfsache. Meine Beine wollten eigentlich nicht mehr, aber mein Kopf war immer noch entschlossen die Bestzeit zu knacken. Ich versuchte positiv zu denken. Noch 5 km, dann sind es nur noch 5 weitere km und die kannst du dich schon irgendwie durchbeißen! versuchte ich mir klar zu machen. Auch die nächsten 5 Kilometer hielt ich den Schnitt auf ca. 3:40/km, von nun an schaute ich nicht mehr auf die Uhr und versuchte die restlichen Kilometer einfach nochmal alles zu geben.

Dabei heraus kam letztendlich eine neue persönliche Halbmarathon – Bestzeit von 01:17:30. Ich war überglücklich und umarmte meine Eltern vor Freude, die ganze Quälerei hatte sich zum Schluss doch noch bezahlbar gemacht.

Im Ziel wurden Tee und Bananen angeboten, womit ich mich auch direkt versorgte. Im Anschluss wählte ich den direkten Weg unter die Dusche, denn zum Auslaufen war mir irgendwie nicht mehr zumute.

Im Ziel

Der restliche Tag spielte sich größtenteils in waagrechter Körperhaltung ab. Abends gab es dann zur Belohnung noch eine saftige Pizza, da zum kochen niemand mehr Lust hatte.

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