Am vergangen Wochenende hatte ich die Gelegenheit, zusammen mit Saucony Germany, am Köln Marathon teilzunehmen. Es war ein wirklich ereignisreiches Wochenende voller positiver, aber auch negativer Emotionen. An diesem Wochenende wurde meine Willenskraft auf eine knallharte Zerreißprobe gestellt, wie ich sie schon lange nicht mehr erlebt habe.

Vielleicht war es auch etwas blauäugig von mir, mich gleich für die vollen 42,195 Kilometer zu melden. Es gab ja schließlich noch die Möglichkeit an der Staffel teilzunehmen, oder den Halbmarathon zu laufen. Doch wenn ich schon Mal in Köln bin, dann laufe ich auch den ganzen Marathon, dachte ich mir. Der Köln Marathon stand sowieso noch auf meiner to-run-Liste.

Ein flaues Gefühl im Bauch hatte ich allerdings schon, denn schließlich hatte ich erst eine 3-monatige Verletzungspause hinter mir. In diesen 3 Monaten bin ich keinen einzigen Meter gelaufen! Andererseits bin ich vor meiner Verletzung fast jeden Sonntag einen Marathon gelaufen und das vor dem Frühstück. „Das schaffst du schon irgendwie“, redete ich mir ein.

Es war ein verregneter und ungemütlicher Tag, als ich mich zusammen mit Stefan auf den Weg nach Köln machte. In Köln herrschte das reinste Verkehrschaos! Unser Hotel lag in der Nähe des Starts und die Straßen waren für den morgigen Marathon bereits alle gesperrt. Eine gute Stunde lang versuchten wir vergebens zu unserem Hotel zu gelangen, bis wir die Hoffnung aufgaben und uns für ein nahegelegenes Parkhaus entschieden.

„Hi ich bin Christian. Ihr seid bestimmt auch wegen des Bloggertreffens hier“ quatschte ich am vereinbarten Treffpunkt zwei Herren in Saucony Jacke an. Dabei vergaß ich allerdings, dass Saucony der Hauptsponsor des Köln Marathons war und gefühlt jeder Zweite in der Stadt mit einer solchen Jacke durch die Gegend lief. Zum Glück kam in diesem Moment Claudia, die PR-Managerin von Saucony durch die Fahrstuhltür. Sie führte uns in den Konferenzraum, wo bereits zahlreiche andere Blogger warteten.

Als Erstes stand ein Motivationsvortrag von Andreas Niedrig auf der Agenda. Der ehemalige Junkie und heutige Profitriathlet erzählte aus seinem Leben und wie er es durch Hartnäckigkeit und Ehrgeiz schaffte, dem Drogensumpf zu entkommen und dort hinzugelangen wo er heute steht.

Nach dem Vortrag fand das Treffen mit den Saucony-Bloggern statt. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde bekamen wir einen kleinen Einblick in die kommende Saucony Laufschuh-Kollektion. Anschließend konnten wir unserer Kreativität freien Lauf lassen und unseren eigenen Gymbag designen.Beim gemeinsamen Abendessen wurde überwiegend Pizza bestellt. Mit meiner Portion Gnocchis, die zudem etwas mickrig ausfiel, fühlte ich mich schon fast wie ein Außenseiter. Da nach dem Abendessen noch Platz in meinem Bauch war, besorgte ich mir später am Kiosk um die Ecke noch ein paar Snacks. Schließlich mussten die Energiespeicher für morgen gut gefüllt werden!

Die Nacht vor dem Marathon war alles andere als erholsam. Die Lage des Hotels war nicht gerade das, was man als premium bezeichnen würde. Wir kamen uns vor wie auf der Fanmeile des 1. FC Kölns. Denn durch die eher mäßig isolierten Fenster drang bis in die frühen Morgenstunden Fangesang in unser Zimmer.

Am Sonntagmorgen machten Björn Jan und ich uns nach einem leichten Hotelfrühstück auf den Weg zum Start.

Björn hatte dummerweise bei seiner Anmeldung vergessen eine Zielzeit anzugeben und musste deshalb aus dem letzten Startblock starten. Jan und ich waren im roten Block ganz vorne untergebracht. Kurz vor dem Startschuss ertönte lautstark „Hells Bells“ aus den Lautsprechern, um die Stimmung kurz bevor es losging, nochmal so richtig aufzuheizen. Dann wurde gemeinsam heruntergezählt.  

PENG! Los geht´s! Ich lief für mein Gefühl in einem recht angenehmen Tempo los. Es war sehr schwer für mich einzuschätzen, wie sich mein jetziges Tempo nach 30 weiteren Kilometern anfühlen würde. Mir fehlte einfach die Wettkampferfahrung in den letzten Jahren. Vorher war ich fast jedes Wochenende auf einem Wettkampf und konnte genau sagen, wie schnell ich bei der jeweiligen Distanz laufen konnte. Es hatte also etwas von einem Glücksspiel. Entweder geht es gut und ich komme in einer für mich starken Zeit ins Ziel, oder es wird am Ende so richtig hässlich!

Die ersten 10 Kilometer waren wirklich sehr kurzweilig. Ich fühlte mich so gut, dass ich mich bei der Pace von 4:30 pro Kilometer noch locker unterhalten konnte. Die Euphorie stieg mit jedem Kilometer, den ich schneller als geplant lief! Die Halbmarathonmarke passierte ich in einer Zeit von 01:35 und ich fühlte mich wirklich gut dabei! In meinem Kopf begann ich bereits auszumalen, wie ich in einer Zeit von 3 Stunden und 10 Minuten über die Ziellinie rasen würde.

Zwischendurch bekam ich immer Nachrichten von Stefan, wo er sich am Streckenrand positioniert hatte um Fotos von mir zu machen. Als ich nach 24,5 Kilometern an ihm vorbeilief, sah ich bereits nicht mehr ganz so locker aus! Langsam fingen die Oberschenkel an und machten sich bemerkbar. Ob es am zu schnellen Anfangstempo lag, oder einfach an dem harten Untergrund konnte ich nicht genau sagen.

Meine anfängliche Euphorie begann so langsam zu bröckeln. Ich ertappte mich dabei, wie meine Blicke in immer kürzeren Abständen auf das Display meiner Garmin wanderten. Halt durch Culli brummelte ich vor mich hin! Manchmal hilft es, sich auch mal selbst zu motivieren, auch wenn es für Außenstehende komisch aussehen mag… Ich nahm mir vor, das Tempo bis km 30 so gut wie möglich aufrecht zu erhalten und hoffte insgeheim auf ein kleines Wunder. Die letzten 12 Kilometer kannst du dich dann auch noch durchbeißen, dachte ich mir! Was sind schon 12 Kilometer?

Eine ganze Menge, wie ich später schmerzhaft feststellen musste! Jeder einzelne Kilometer kam mir auf einmal vor wie eine halbe Ewigkeit! Negative Gedanken häuften sich in meinem Kopf an und ich bekam es einfach nicht auf die Kette, diese abzustellen! Bei Kilometer 35 war es so schlimm, dass ich sogar mit dem Gedanken spielte aufzugeben. Es war ein regelrechtes Gefecht in meinem Kopf, ausgetragen zwischen meinem inneren Schweinehund und meiner Willenskraft! An den Verpflegungsstationen stoppte ich nun immer kurz und trank einen Becher Cola und nahm ein Gel zu mir.

Ich schaute auf die Uhr und begann zu rechnen. Ich kann es immer noch unter 3:30 schaffen, wenn ich langsam weiter laufe, stellte ich fest. Also biss ich die Zähne zusammen und machte weiter! Ich versuchte mich auf die Zuschauer zu konzentrieren und mich irgendwie abzulenken. Ich wollte es unbedingt bis an diesen verflixten Dom schaffen, koste es was es wolle! Ich wollte mein Team und Saucony auf keinen Fall enttäuschen. Ich wollte nicht nach Hause fahren mit dem Gefühl gescheitert zu sein! Wenn mein Körper irgendwie in der Lage ist das Ding zu beenden, dann werde ich das tun!

Auf den letzten Kilometern wurden die Zuschauer immer lauter. Das half mir wirklich enorm um weiter zu machen! Vermutlich sahen mir die Menschen hinter der Absperrung an, dass ich am Ende war und feuerten mich umso mehr an!

Nach wirklich schlimmen 12 Kilometern lief ich endlich auf die Zielgerade. Ich stoppte die Zeit und war überglücklich, dass ich es noch in 03:23:03 geschafft habe! Überglücklich es durchgezogen zu haben, trotz alldem Schmerz!

Nach dem Lauf machten wir uns zügig auf den Weg zurück ins Hotel, wo wir glücklicherweise den Saunabereich zum Duschen nutzen konnten. Mit dem Auto aus Köln zu gelangen war eine absolute Katastrophe. Überall waren Straßen wegen dem Marathon gesperrt und die Umleitungsschilder waren wirklich leicht zu übersehen. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie gut die Pizza schmeckte, die ich mir an diesem Abend zu Hause gönnte!

Der Köln Marathon war für mich eine krasse Erfahrung! Erst im Nachhinein wurde mir richtig klar, was es heißt, einfach mal so einen Marathon zu laufen, ohne wirkliche Vorbereitung. Dieser Lauf hat irgendetwas in mir entfacht. Dieses Gefühl, als ich über die Ziellinie lief, hat irgendetwas in mir ausgelöst. Schone lange habe ich mich nicht mehr so zufrieden gefühlt! Der Köln Marathon hat meinen Ehrgeiz wieder geweckt und ich habe mich entschlossen, von nun an wieder strukturierter und besser zu trainieren. Ich will mehr von diesen Erfolgserlebnissen!

Dieser Beitrag entstand in freundlicher Zusammenarbeit mit Saucony.

Einen Überblick über die Anderen Saucony Blogger findest du hier:

Jan von Runningculture

Björn von Idealegerade

Patrick von itsrunningtime

Felicitas von Felinipralini

Carolin von Carostriaworld (Instagram)

Eva von Evaslaufliebe (Instagram)

Stephanie von Fitness.Stephi (Instagram)

Moni von Moni.run.lift.love (Instagram)

Sarah von Sarah.runs.her.world (Instagram)

 

 

 

 

Author

0 comments

X